Vaterland

Als junger Fotograf war der größte Reiz des Berufes für mich das Reisen. Hinauszugehen in die Welt und mir im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild davon zu machen. Das eigene Land, scheinbar wohlbekannt und irgendwie langweilig, interessierte mich längst nicht in dem Maße wie ferne Länder. Das änderte sich mit dem Fall der Mauer. Im nun vereinten Deutschland vollzog sich eine Identitätsverschiebung, nicht nur in den neuen Bundesländern. Und so begann auch Deutschland mich fotografisch stärker zu interessieren. Aber was ist denn nun typisch deutsch?

Obwohl mein Projekt »Vaterland« noch längst nicht abgeschlossen ist, glaube ich nicht mehr daran, dass deutsche Wesen an der einen oder anderen Eigenschaft oder Sache festmachen zu können. Auch englische Touristen legen abends ihre Handtücher an südlichen Ständen auf den Liegestuhl, um ihn für den nächsten Tag zu »reservieren«. Es ist vielmehr eine Summe von Eigenschaften die das Deutsch-Sein ausmachen.